Beruf & Familie

7 Tipps für Alleinerziehende: Finanzen und Versicherungen

Der finanzielle Spielraum ist bei Alleinerziehenden häufig knapp bemessen. Das bedeutet: Gerade für alleinerziehende Mütter und Väter ist das Thema finanzielle Vorsorge von besonders großer Relevanz. In diesem Beitrag finden Sie eine Reihe von Tipps, um sich und Ihre Kinder abzusichern.

Alleinerziehend und armutsgefährdet?

Je nach Zählweise und Erhebung gibt es zwischen 1,7 und 2,8 Millionen Alleinerziehende in Deutschland – die meisten davon sind alleinerziehende Mütter. Unabhängig davon, ob Mann oder Frau: Alleinerziehende leben mit einem erhöhten Armutsrisiko. Laut Statistischem Bundesamt lag die Armutsgefährdungsquote für Alleinerziehende im Jahr 2023 bei 41 %.

Die Gründe liegen auf der Hand: In Haushalten, in denen 2 Elternteile leben, stehen auch oft 2 Einkommen zur Verfügung. Ausgaben für Lebenshaltungskosten, Miete, Strom, Urlaub werden geteilt. Bei Alleinerziehenden muss in der Regel ein Einkommen ausreichen, um alle fälligen Kosten zu decken.

Hinzu kommt die Herausforderung der Kinderbetreuung: Es gibt keinen Partner, der schnell einspringt, wenn das Kind krank ist oder die Kita mal wieder geschlossen ist. Das schränkt viele Alleinerziehende in ihrer Berufstätigkeit ein. Sie arbeiten daher öfter nur in Teilzeit und verdienen entsprechend weniger.

Umso wichtiger ist es also, frühzeitig vorzusorgen und alle verfügbaren Unterstützungsangebote zu kennen.

Tipp 1: Unterstützung durch den Staat nutzen

Als alleinerziehendes Elternteil sollten Sie sich gut über die finanziellen Hilfen des Staatsinformieren. Neben dem Kinder- und Elterngeld zahlt Ihnen der Staat bei Ausfall des Unterhalts durch das andere Elternteil einen Unterhaltsvorschuss. Außerdem können Sie bei einem besonders niedrigen Einkommen einen Kinderzuschlag und Wohngeld beantragen: Verdienen Sie als alleinerziehendes Elternteil mindestens 600 € brutto und beziehen kein Bürgergeld, haben Sie Anspruch auf einen Kinderzuschlag von maximal 297 € je Kind. Der Zuschlag richtet sich nach Ihrem Einkommen und bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe gezahlt. Mehr zum Kindergeldzuschlag erfahren Sie hier. Die Politik plant derzeit Kinderzuschlag und Wohngeld in einem Antrag zusammenzulegen.

Tipp 2: Steuern sparen

Als alleinerziehendes Elternteil gelten für Sie auch steuerliche Vorteile. Auf Antrag können Sie in die günstige Steuerklasse 2 wechseln und von dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende profitieren. Der Entlastungsbetrag ist ein Freibetrag, der vom zu versteuernden Einkommen abgezogen wird. Seit 2023 sind das für alleinerziehende Eltern jährlich 4.260 € pro Kind. Für jedes weitere Kind erhöht er sich um 240 €. Das bedeutet: Je nach Höhe Ihres Einkommens zahlen Sie jährlich zwischen 800 und 1.800 € weniger Steuern. Weitere Informationen zum Entlastungsbetrag finden Sie hier.

Tipp 3: Behalten Sie Ihre Finanzen immer gut im Blick

Gerade bei knappem Budget ist ein Haushaltsplan Gold wert. Prüfen Sie: Wofür geben Sie zu viel Geld aus, wo können Sie sparen, was ist unverzichtbar?

Mithilfe eines Haushaltsbuchs erhalten Sie Klarheit über Ihre Einnahmen und Ausgaben und können diese optimieren. Bei der Verbraucherzentrale finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Tipp 4: Fürs Alter vorsorgen – auch mit kleinen Beiträgen

Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden, insbesondere von Müttern, zieht sich meist bis ins Rentenalter. Das oft niedrige Einkommen durch Teilzeit, fehlende Erwerbszeiten sowie ausbleibende Unterhaltszahlungen führen auch langfristig zu finanziellen Lücken in der Altersvorsorge. Für die Bildung von Rücklagen und den Aufbau einer Altersvorsorge gibt es aber eine wichtige Zutat: Regelmäßigkeit! Auch das Sparen von kleinen, aber regelmäßigen Raten und Beiträgen macht viel. So können Sie sich auch mit kleinen Schritten Ihre Altersvorsorge aufbauen. Altersvorsorge ist ein Marathon: Je früher Sie damit starten, umso besser.

Tipp 5: Ein gesichertes Einkommen ist unverzichtbar – auch bei Krankheit

Was passiert, wenn Sie durch eine schwere Erkrankung, einen Unfall oder eine psychische Belastung Ihren Beruf gar nicht oder nur noch eingeschränkt ausüben können? Eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Dread-Disease-Versicherung geben gerade alleinerziehenden Elternteilen und deren Kindern die Sicherheit, im Falle eines krankheits- oder unfallbedingten Ausfalls nicht mit leeren Händen dazustehen.

Tipp 6: Vorkehrungen für den Todesfall treffen

Wir alle schieben diese Frage gerne weit weg: Was passiert mit meinem Kind oder meinen Kindern, sollte mir etwas zustoßen? Ein Testament sorgt für rechtlich klare Verhältnisse und verhindert oft Streit zwischen den Hinterbliebenen und Verwandten. So entscheiden Sie und nicht ein Gericht, wer im Falle Ihres Tods das Sorgerecht für Ihre Kinder erhalten soll, wer die Vormundschaft übernimmt. Auch die Verwaltung Ihres Nachlasses bis zur Volljährigkeit Ihrer Kinder möchten Sie sicher nach Ihren Vorstellungen regeln. Erfahren Sie hier, was es bei der Testamentsgestaltung zu beachten gibt.
Darüber hinaus können Sie mit einer Risikolebensversicherung für die finanzielle Sicherheit Ihrer Kinder sorgen. Schon mit kleinen Beiträgen können Sie eine hohe Summe absichern, die später Ausbildung und Versorgung Ihrer Kinder sicherstellt, sollte Ihnen etwas passieren.

Tipp 7: Sie sind nicht allein. Holen Sie sich guten Rat.

Es gibt zahlreiche Beratungsangebote für Alleinerziehende. Viele freie Träger wie Diakonie, Caritas oder VAMV (Verband alleinerziehender Mütter und Väter e. V.) bieten eine kostenlose Beratung zu finanziellen, rechtlichen und persönlichen Belangen an. Auch die Jugendämter stehen mit Rat und Tat zur Seite. Hier berät man Sie in Fragen zum Kindsunterhalt sowie Unterhaltsvorschuss und informiert Sie über Ihnen zustehende Leistungen von staatlicher Stelle.

Darüber hinaus sollten Sie nicht auf den Rat eines kompetenten, unabhängigen Finanz- und Versicherungsberaters verzichten. Er kann Ihnen vorrechnen, wie Sie Ihr Budget – ob klein, ob groß – klug anlegen. So finden Sie die für Ihre individuelle Situation passende Lösung. Mit unserer Checkliste starten Sie gut vorbereitet in das Gespräch.

Mit kluger Planung zu mehr finanzieller Sicherheit

Alleinerziehend zu sein, ist eine tägliche Herausforderung, verbunden mit einem erhöhten Armutsrisiko. Aber Geldsorgen sind keine guten Begleiter. Es gibt Lösungen. Nutzen Sie alle staatlichen Hilfen, behalten Sie Ihre Finanzen bewusst im Auge und bauen Sie Schritt für Schritt Rücklagen auf. Schon kleine, regelmäßige Beträge können Ihre Zukunft spürbar absichern. Mit kluger Vorsorge, passenden Versicherungen und klaren Regelungen schaffen Sie Sicherheit – und blicken gemeinsam mit Ihrem Nachwuchs viel entspannter in die Zukunft.

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