Beruf & Familie

Homeoffice: Wenn der Esszimmerstuhl zum Verhängnis wird

Rückenschmerzen sind die Volkskrankheit Nummer 1. Der Großteil von uns sitzt einfach zu viel – dafür ist der menschliche Körper nicht gemacht. Etwa 50 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung arbeiten in einem Büro, Tendenz steigend. Gezwungenermaßen sitzen rund 18 Millionen Menschen täglich mindestens acht Stunden.1 Ist der Arbeitsplatz dann noch ergonomisch schlecht ausgestattet, sind Schmerzen und langfristige Probleme vorprogrammiert. Nach dem 2020er-Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse ist derzeit jeder zwölfte Tag der Erwerbsunfähigkeit aller Versicherten auf Rückenschmerzen zurückzuführen. Das sind knapp 10 Prozent der jährlichen Krankschreibungstage.2 Den Arbeitgeber sowie die Krankenkasse kostet das bares Geld und der Arbeitnehmer leidet unter lästigen bis zu erheblichen Schmerzen.

Als Arbeitnehmer können Sie viel, aber nicht alles, gegen die Problematik tun. Der Arbeitgeber ist gefragt – und zwar sowohl an der von ihm angebotenen Arbeitsstätte als auch für die Homeoffice-Arbeit!

Zwar ist die Ausstattung in vielen Büros in den letzten Jahren viel besser geworden, als Folge der aktuellen Corona-Pandemie verlagert sich die Arbeit vieler Büroangestellten jedoch urplötzlich nach Hause. Dieser „Trend“ wird staatlicherseits unterstützt und in unterschiedlicher Form auch gefördert. Doch der Begriff „Homeoffice“, wörtlich übersetzt Heimbüro, hält in vielen Fällen nicht das, was er verspricht. Zwischen dem Arbeiten am Küchentisch auf dem Küchenstuhl mit Notebook oder Tablet und einem separaten Arbeitszimmer mit vollständiger Büroausstattung liegen Welten.3 Egal, welche Form des „Von-zu-Hause-Arbeitens“ auf Sie zutrifft – sobald Sie häufig oder regelmäßig von zu Hause aus arbeiten, sollten Sie sich den Arbeitsplatz nach ein paar Regeln gestalten.

Der ideale Homeoffice-Arbeitsplatz – so sieht die Büroausstattung aus

Für ergonomisches Arbeiten sind die Sitzposition sowie die Position des Bildschirms von entscheidender Bedeutung. Schreibtisch- und Stuhlhöhe müssen zueinander passen und optimalerweise individuell auf die Körpergröße einstellbar sein. Der Sitzplatz sollte auf jeden Fall ein Bürostuhl sein, um eine wechselnde Arbeitshaltung zu ermöglichen. Zudem sollte der Bildschirm für ein dauerhaftes Homeoffice-Arbeiten mit einem 24-Zoll-Monitor sichtbar größer sein als Notebook oder Tablet. Die Bildschirmoberkante korrespondiert mit der Augenhöhe, abgestimmt auf die individuelle Sitzhöhe. Möglichst viel Tageslicht am Arbeitsplatz ist empfehlenswert. Das A und O ist der ergonomische Bürostuhl im direkten Zusammenspiel mit der Höhe der Tischplatte, auf der das Endgerät steht.

Optimale Sitzposition

Quelle: eigene Darstellung

Dass dies in vielen Wohnungen platztechnisch nur schwer umzusetzen ist, versteht sich von selbst –von den zusätzlichen finanziellen Ausgaben ganz zu schweigen. Wer Glück hat, bekommt in Zeiten von Corona von seinem Arbeitgeber finanzielle Unterstützung, um den heimischen Arbeitsplatz ergonomisch(er) auszustatten. Auch einen provisorischen Küchentisch-Arbeitsplatz kann man ergonomischer gestalten: Ein Laptopständer ist beispielsweise klein und gut verstaubar und verhindert ein permanentes Nach-unten-Schauen. Statt einem Bürostuhl kann auch ein ergonomischer Sitzhocker eine bewegte Arbeitshaltung ermöglichen. Eine weitere Möglichkeit, den Rücken zu entlasten, ist: Wechseln Sie, wenn möglich, zwischendurch die Sitzposition. Lehnen Sie sich beim Telefonieren oder Nachdenken ab und zu zurück oder stehen Sie einfach mal auf.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Wer zeitweise oder überwiegend zu Hause am Schreibtisch arbeitet, der sollte in Bezug auf seinen Rücken schon heute an morgen denken. Die Jahre vergehen schnell, in denen die Rückenschmerzen mal kommen und mal wieder gehen, doch wenn sie nicht mehr zurückgehen, dann ist es oftmals zu spät. Arbeit und Freizeit leiden unter den ständigen Rückenbeschwerden. Schnell kann es passieren, dass Sie nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr Ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen können. Klingt weit hergeholt? Ist es aber nicht! Statistiken zeigen, dass Erkrankungen des Skeletts oder des Bewegungsapparates die zweithäufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit sind – darunter fallen auch Rückenleiden.

Ursachen für Berufsunfähigkeit

Um zu verhindern, dass das viele und oftmals nicht optimale Sitzen bei der Arbeit nicht zu Langzeitschäden führt, hilft eines am besten: Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung. Nutzen Sie doch Ihre Mittagspause für einen Spaziergang. Sie tun damit nicht nur Ihrem Rücken etwas Gutes, sondern bekommen auch neue Energie für den restlichen Tag.


1 https://www.vbg.de/
2 https://www.tk.de/
3 https://www.destatis.de/

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